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wix international

Beim Lokalisieren von Websites lauern für den Ungeübten viele Tücken. Deswegen sollten Sie  sehr sorgfältig vorgehen und nicht am falschen Ende sparen. Insbesondere diese acht häufig anzutreffenden Fehler gilt es zu vermeiden:

1. Die Webseitentexte vom Praktikanten oder Google Translate übersetzen lassen

Überforderter PraktikantIhre Texte gehören zu Ihren wichtigsten Verkaufsinstrumenten. Ein potentieller Käufer schließt sehr leicht von der Textqualität einer Beschreibung auf die Qualität der Ware. So ist ein Praktikant mit Fremdsprachenkenntnissen in der Regel nicht die richtige Person für die Lokalisierung einer Website. Das trifft selbst häufig auf Muttersprachler zu. Denn nicht immer verfügen diese über das richtige Sprachgefühl, um wirklich gute Texte zu schreiben.

Auch auf Google Translate sollten Sie keinesfalls vertrauen. Zwar können Sie es durchaus verwenden, um sich ein ungefähres Bild vom Inhalt eines fremdsprachigen Textes zu machen. Auf gar keinen Fall jedoch sollten Sie damit einen Text, den Sie anschließend veröffentlichen wollen, übersetzen. Schauen Sie sich doch einfach mal einen Text an, der von Google Translate aus einer Fremdsprache in Ihre Muttersprache übersetzt wurde und überlegen Sie, ob Sie so etwas Ihren Kunden zumuten wollen!

2. Sich nicht für die Herkunft des Übersetzers interessieren

Wenn beispielsweise England Ihr Zielmarkt ist, dann sollte am besten auch ein Brite die Übersetzung anfertigen und nicht etwa ein Amerikaner oder Australier (Ziellandprinzip). Denn in vielen Fällen gibt es sprachlich durchaus Unterschiede. Beispiele:

  • American English: customize oder cell phone
  • British Englisch: customise oder mobile phone

Klar, ein Engländer weiß auch was ein cell phone ist. Allerdings wird er sich in einem Online Shop, der diesen Ausdruck verwendet, nicht unbedingt zuhause fühlen. Mehr über das Muttersprachen- und Ziellandprinzip finden Sie in diesem Aufsatz.

3. Standardtexte falsch übersetzen

Die wörtliche Übersetzung ist nicht immer die richtige: so sagt man im deutschen Sprachraum gerne Homepage, wenn man eine komplette Website meint. Im Englischen verwendet man home page aber nur für die Startseite einer Website.

Bei Standardtexten für die Bedienelemente eines Shops ist die Lösung recht einfach: Um z.B. die richtige spanische Übersetzung für „In den Warenkorb“ zu finden, gucken Sie bei einem – oder besser bei ein paar spanischen Online-Shops – nach, welcher Ausdruck dort verwendet wird („añadir a la cesta“).

4. Bei der Sprachnavigation Flaggen verwenden

Sprachen-AufkleberDas ist eine verbreitete Unsitte. Unsitte deswegen, weil viele Sprachen in mehr als einem Land gesprochen werden. Und die jeweiligen Bewohner müssen nicht unbedingt gut auf das Land zu sprechen sein, dessen Sprache sie verwenden: In Irland etwa wird heute vor allem Englisch gesprochen, aber deswegen liebt man das UK doch nicht unbedingt. Verwenden Sie besser den „Eigenamen“ der Sprache als Textlink oder Buttonaufschrift: Deutsch, English, Francais, Magyar, Hrvatska…

5. Einen (für das Zielland) kuriosen Firmennamen wählen

Es gibt unzählige Beispiele für schlecht gewählte Firmennamen. So gibt es z.B. den israelisch-amerikanischen Homepage-Baukasten Wix.com, der auch in Deutschland sein Glück versucht.

Eat Your Box Logo

Es gibt aber auch Europäer, die ins Fettnäpfchen treten: das französische Startup mit dem scheinbar unkritischen Namen EatYourBox.com sollte es sich besser zweimal überlegen bevor es dorthin expandiert, wo man Englisch spricht.

6. Spezielle kulturelle Besonderheiten missachten

In arabischen Ländern liest man von rechts nach links. Das bedeutet, dass auch logisch aufeinander folgende Elemente – etwa die Bilder einer Bildergeschichte – in dieser Reihenfolge angeordnet werden müssen. Drei Bilder, von denen das linke schmutzige Wäsche zeigt, das mittlere ein Waschmittel und das rechte saubere Wäsche, werden von jedem verstanden, der von links nach rechts schreibt. Menschen, die von rechts nach links lesen, würden jedoch annehmen, dass das Waschmittel die Wäsche verschmutzt.

7. Technische Aspekte nicht berücksichtigen

Je nachdem welche Version des ASCII-Codes man wählt, können außer den Standardbuchstaben und -ziffern Sonderzeichen für verschiedene Sprachen und sogar kyrillische Zeichen dargestellt werden. Im moderneren 16-Bit-Unicode wurden bereits eine ganze Reihe Schriften implementiert und es sollen noch mehr werden. Mehr über Zeichencodierung erfahren Sie hier. Falls Sie ein gängiges CMS oder Homepage-Baukasten verwenden, sollte das aber kein Problem darstellen.

8. Denken, dass es mit der Übersetzung getan ist

Wer wirklich erfolgreich sein möchte im Ausland, der sollte auch eine Marketingstrategie speziell für den Zielmarkt entwickeln.  Andere Länder – andere Sitten – das gilt auch für die Art und Weise, wie Menschen auf Werbung reagieren. Wenn Sie Ihren Vertrieb auf andere Kulturräume, z.B. Ostasien oder den Nahen Osten, ausweiten wollen, sollten Ihre Werbebotschaften auf den Prüfstand – und gegebenenfalls modifiziert werden. Auch hier kann Ihnen ein Muttersprachler aus dem jeweiligen Zielland eine wertvolle Hilfe sein.

Fallen Ihnen noch weitere Fehler ein? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!


Über den Autoren:
Christian Arno ist Gründer und Geschäftsführer des internationalen Übersetzungsbüro Lingo24, der auf drei Kontinenten tätig ist. Folge Lingo24 auf Twitter @l24de.

Bilder: flo-flash – photocase.com, Domen Colja -Fotolia.com

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